Von Oldenburg nach Düsseldorf und nach Maastricht

40 Jahre Jobsharing – Etappe 9 von 9
Keine Vereine – sondern Verbindungen
Aus Irland, Italien und anderen Ländern trafen nach und nach Anfragen ein. Und schnell zeigte sich: Eine Vereinsgründung war nicht überall sinnvoll – nicht rechtlich, nicht praktisch. Stattdessen entstand die Idee nationaler Arbeitsgruppen. So bildeten sich Schritt für Schritt Jobsharing Working Groups, die eng mit EURO-TZA e.V. zusammenarbeiteten und die Grundlage unserer europäischen Kooperation bildeten. Was heute selbstverständlich klingt, war damals eine enorme Herausforderung. Alle Beteiligten – in Deutschland wie in den Partnerländern – gingen einer regulären Berufstätigkeit nach und engagierten sich zusätzlich in ihrer Freizeit. Ehrenamtlich, ohne Budget, ohne Infrastruktur. Und ohne Internet.
Ein gemeinsamer Fragen- und Arbeitskatalog
Damit wir die Situation in den einzelnen Ländern überhaupt vergleichen konnten, entwickelte der Vorstand einen einheitlichen Fragen- und Arbeitskatalog. Uns interessierte, welche gesetzlichen Regelungen zur Teilzeitarbeit existierten, ob der Begriff Jobsharing bereits bekannt war oder ähnliche Modelle unter anderen Namen praktiziert wurden. Wir fragten nach Unternehmen, die Teilzeitarbeit bereits einsetzten, nach wissenschaftlichen Erkenntnissen, nach Arbeitsmarktstatistiken und Presseberichten, nach der Haltung von Arbeitgebern und Gewerkschaften – und danach, ob es Menschen oder Institutionen gab, die sich mit diesem Thema bereits intensiv beschäftigten.
Viele dieser Informationen mussten mühsam recherchiert werden. Wochenlang warteten wir auf Antworten. Manche Briefe enthielten umfangreiche Materialien, andere nur wenige Hinweise. In einigen Ländern war es ausgesprochen schwierig, überhaupt etwas in Erfahrung zu bringen. Und doch entstand, Brief für Brief, ein erstes europäisches Bild der Teilzeitarbeit – fragmentarisch, aber real.
Die regionale Presse wird aufmerksam
Unsere Vereinsgründung blieb auch in Oldenburg nicht unbemerkt. Am 29. März 1988 berichtete die Nordwest-Zeitung unter der Überschrift: „Junge Forscher wollen Job-Sharing fördern“

Besonders gut trifft der Artikel unsere damaligen Ziele:
„Für ihre Arbeit wollen die Forscher zunächst in den verschiedenen Ländern Literaturdokumentationen aufbauen und die Teilzeitarbeit auf dem Wege der theoretischen Analyse ergründen. Später ist geplant, verschiedene Formen der Teilzeitarbeit bei kooperationswilligen Unternehmen einzuführen und die Erfahrungen wissenschaftlich auszuwerten."(Nordwest-Zeitung vom 29. März 1988)
Wissenschaftliche Grundlagen schaffen, internationale Erfahrungen austauschen, neue Arbeitsmodelle gemeinsam mit Unternehmen erproben – dieser Dreiklang beschreibt genau das, worum es uns ging. Wenn ich heute auf diesen Zeitungsausschnitt schaue, denke ich: Ja, genau so war es. Wir waren jung, wir hatten wenig Geld und keine digitale Infrastruktur. Aber wir hatten ein klares Bild davon, was wir wollten – und Menschen in neun Ländern, die bereit waren, dafür Briefe zu schreiben, Fotos zu schicken und Fragen zu stellen, die ich manchmal noch gar nicht beantworten konnte. Das war der Anfang.
Von Oldenburg nach Düsseldorf und Maastricht
Während meines Aufenthalts beim Europäischen Parlament in Luxemburg hatte ich auch Dagmar kennengelernt. Wie Theophile war sie als Visiteur im Bereich Rechtswissenschaften dort. Dagmar und ich wohnten gemeinsam im Haus von Mme Agresta, die Zimmer an Personen vermietete, die am Parlament tätig waren. Auch Carol aus Irland wohnte dort.

Die Zeit in Luxemburg war vorbei, doch unsere gemeinsame Idee, Jobsharing in Europa bekannter zu machen, begleitete mich weiter. André aus den Niederlanden hatte inzwischen Kontakt zur Universität Maastricht aufgenommen und dort einen Termin für unser Jobsharing-Projekt vereinbart. Damit nahm unsere Idee immer konkretere Formen an. André schlug vor, mich in Düsseldorf abzuholen, damit wir von dort aus gemeinsam nach Maastricht fahren konnten. Auch Dagmar kannte er bereits. So verbrachte ich zunächst einige Tage bei Dagmar in Düsseldorf. Wir ließen unsere gemeinsame Zeit in Luxemburg Revue passieren und sprachen natürlich auch über unser europäisches Jobsharing-Projekt. Es war schön zu erleben, dass die Kontakte, die wir in Luxemburg geknüpft hatten, nun über die Landesgrenzen hinweg weiterwirkten. Als André mich schließlich bei Dagmar abholte, hielt sie diesen Moment mit Fotos von uns vor Andrés Auto fest. Eines der Fotos von diesem Tag zeige ich euch hier – eine kleine Erinnerung an die Menschen und Begegnungen, aus denen unser gemeinsames Vorhaben weiterwuchs.

Maastricht: Das erste internationale Forschungsgespräch
Mein niederländischer Freund André, der ebenfalls als Stagiaire beim Europäischen Parlament tätig gewesen war, hatte großes Interesse an meinem Jobsharing-Projekt entwickelt. Er war von der Idee begeistert und half mir, Kontakte zu Wissenschaftlern in den Niederlanden aufzubauen. Gemeinsam fuhren wir nach Maastricht. Dort hatte André einen Termin mit zwei Wissenschaftlern vereinbart: Prof. Dr. J.A.M. Heijke, Direktor der Forschungsabteilung am Institut für Wirtschaftswissenschaften, sowie Dr. C. de Neubourg vom Limburg Institute for Business and Economic Research der Maastricht University.

Für mich war dieses Treffen etwas Besonderes. Zum ersten Mal diskutierte ich meine Ideen zur qualifizierten Teilzeitarbeit und zum Jobsharing mit Forschern außerhalb Deutschlands. Wir sprachen über Arbeitsmärkte, Beschäftigungspolitik und die Frage, welche Rolle innovative Arbeitszeitmodelle in Europa künftig spielen könnten. Und ich merkte: Das Interesse war echt. Die Fragen, die mich umtrieben, umtrieben auch andere.
Heute erscheint ein solches Treffen selbstverständlich. Damals war es das keineswegs. Es gab kein Internet, keine Videokonferenzen, keine sozialen Netzwerke. Wer internationale Kontakte aufbauen wollte, musste reisen, Briefe schreiben, telefonieren und persönliche Gespräche führen. Genau deshalb waren diese Begegnungen so wertvoll – und genau deshalb blieben sie in Erinnerung.
Du möchtest wissen, was diese Erfahrung für Deinen Weg bedeutet?
Kontakt aufnehmen