Von ersten Unterstützern zur europäischen Kooperation

40 Jahre Jobsharing – Etappe 6 von 6
Die ersten Unterstützer
In den folgenden Monaten nahm ich Kontakt zu weiteren Wissenschaftler:innen, Institutionen und Organisationen auf – darunter das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg und dessen Präsidenten Herrn Franke. Mich interessierte vor allem die Frage, wie neue Formen der Teilzeitarbeit wissenschaftlich begleitet und dokumentiert werden könnten. Denn je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, desto deutlicher wurde: Es gab viele Einzelinitiativen, aber kaum Vernetzung. Viele Menschen arbeiteten an ähnlichen Fragestellungen – oft ohne voneinander zu wissen.
Ein wichtiges Gespräch in Köln
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Reise nach Köln am 27. Mai 1987. Dr. Fritz-Jürgen Kador, Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, hatte mich zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Auch Frau Dr. Müller-Hagen, die sich intensiv mit Fragen der Teilzeitarbeit beschäftigte, nahm daran teil. Für mich war diese Einladung eine große Anerkennung. Sie zeigte, dass das Thema Jobsharing inzwischen auch bei wichtigen Akteuren der Arbeitswelt Aufmerksamkeit gefunden hatte – und dass meine Arbeit wahrgenommen wurde. Im Mittelpunkt unseres Gesprächs stand die Frage, wie mein Vorhaben unterstützt werden könnte. Wir diskutierten darüber, wie Arbeitgeberverbände auf das Thema aufmerksam gemacht werden könnten und wie sich Informationen über bereits praktizierte Jobsharing-Modelle systematisch erfassen ließen. Geplant waren Befragungen, Interviews und die Sammlung von Praxisbeispielen. Eines wurde an diesem Tag sehr deutlich: Es fehlte nicht an Interesse. Es fehlte an Informationen, Erfahrungen und Kontakten. Genau das wollte ich ändern.
Die Idee einer europäischen Kooperation
Je mehr Gespräche ich führte, desto stärker wuchs in mir eine Überzeugung: Jobsharing und qualifizierte Teilzeitarbeit brauchten eine gemeinsame Plattform. Nicht nur in Deutschland – in Europa. Diese Idee hatte ich schon während meiner Zeit beim Europäischen Parlament mit den anderen Stagiaires und Visiteurs besprochen. Wir hatten gesehen, wie unterschiedlich die Länder mit flexiblen Arbeitsformen umgingen – und wie viel jedes Land vom anderen lernen könnte, wenn es nur einen Ort gäbe, an dem dieses Wissen zusammenfließt.
Irgendwann im Laufe dieser Monate wurde aus dem Gedanken ein Entschluss. Es reichte nicht, darüber zu reden. Es musste etwas entstehen, das über einzelne Gespräche und Begegnungen hinausging. Etwas, dem sich Aktivitäten aus verschiedenen europäischen Ländern anschließen konnten – für einen echten, dauerhaften Erfahrungsaustausch.
Aus dieser Überzeugung entstand im Oktober 1987 schließlich die „EURO-TZA e.V. – die Europäische Kooperation zur Förderung neuer Formen der Teilzeitarbeit“.
Was als Forschungsinteresse begonnen hatte, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem europäischen Netzwerk. Und ich mittendrin – nicht mehr nur als Forscherin, sondern als Gründerin.
In diesem Zusammenhang möchte ich noch etwas erwähnen: Damals kontaktierte ich einige der Autoren, die sich in ihrer Arbeit mit Jobsharing (Arbeitsrecht) beschäftigt hatten per Brief, um sie über den Verein EURO-TZA e.V. zu informieren. Vor Kurzem fand ich durch Zufall in einem alten Karton den Briefwechsel wieder, den ich mit Dr. Harald Danne geführt hatte.
„… Ihre Aktivitäten in Bezug auf das Jobsharing habe ich mit großem Interesse zur Kenntnis genommen und bin insbesondere der Ansicht, dass die von Ihnen gegründete „Europäische Kooperation zur Förderung von neuen Arbeitszeiten“ eine breite und erfolgversprechende Perspektive aufweist. … Über weitere Informationen über Ihr Job-Sharing-Projekt würde ich mich sehr freuen, zu einem weiterreichenden Gedankenaustausch stehe ich Ihnen gern zur Verfügung …"(Dr. Harald Danne, 22. Juli 1987)
Zeilen wie diese zeigen mir noch heute, wie ernst unsere Arbeit damals genommen wurde – und wie sehr sich Menschen in dieser Zeit für neue Wege in der Arbeitswelt zu interessieren begannen. Es ist ein kleiner, aber kostbarer Fund: ein direkter Beweis dafür, dass unsere Botschaft ankam.
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