Die ersten Schritte zur europäischen Kooperation (EURO-TZA)

40 Jahre Jobsharing – Etappe 5 von 6
Die ersten Schritte zur europäischen Kooperation (EURO-TZA)
Als mein Robert-Schuman-Stipendium beim Europäischen Parlament in Luxemburg 1987 zu Ende ging, hatte ich vor allem eines gewonnen: eine europäische Perspektive auf die Arbeitswelt. Während meiner Zeit in Luxemburg war mir bewusst geworden, dass die Herausforderungen rund um Teilzeitarbeit und Jobsharing kein deutsches Phänomen waren. In vielen europäischen Ländern suchten Wissenschaftlerinnen, Unternehmen, Verbände und politische Institutionen nach neuen Wegen, Arbeit flexibler zu gestalten – und gleichzeitig Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen. Jedes Land auf seine Weise, mit seinen eigenen Mitteln.
Mir wurde immer klarer: Wenn Jobsharing in Europa eine Zukunft haben sollte, brauchte es mehr als einzelne Forschungsarbeiten. Es brauchte Menschen, die Wissen austauschen, Erfahrungen sammeln und voneinander lernen. Eine Plattform. Ein Netzwerk.
Die Frage war nur: Wer sollte es aufbauen?
Nach meinem Aufenthalt beim Europäischen Parlament in Luxemburg war ich voller Ideen – und voller Fragen. Ich hatte gesehen, wie unterschiedlich die europäischen Länder mit Teilzeitarbeit, Arbeitsmarktpolitik und neuen Formen der Arbeitsorganisation umgingen. Und ich hatte erkannt: Das Interesse an Jobsharing war größer, als ich je gedacht hatte. Aber Interesse allein reicht nicht aus. Forschung allein auch nicht. Wenn Jobsharing in Europa bekannter werden sollte, brauchte es Menschen, die Informationen sammeln, Erfahrungen austauschen, Kontakte vermitteln und neue Projekte anstoßen. Eine Plattform für alle, die sich mit qualifizierter Teilzeitarbeit beschäftigten – aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gewerkschaften. So entstand die Idee eines Vereins.
Zurück in die Bundesrepublik Deutschland – und viele offene Fragen
Heute gründet man einen Verein oft innerhalb weniger Tage. 1987 war das anders. Es gab kein Internet, keine E-Mails, keine sozialen Netzwerke. Wer Menschen für ein gemeinsames Projekt gewinnen wollte, schrieb Briefe, führte Telefongespräche oder reiste persönlich zu Terminen. Genau das tat ich. Nach meiner Rückkehr aus Luxemburg führte ich zahlreiche Gespräche mit Wissenschaftlern, Institutionen und Personen, die sich für neue Arbeitszeitmodelle interessierten. Im Mittelpunkt standen immer ähnliche Fragen: Welche Ziele sollte ein Verein verfolgen? Wie kann Jobsharing in Deutschland und Europa bekannter werden? Wie lassen sich Forschung und Praxis miteinander verbinden? Und wie kann ein echter europäischer Austausch entstehen?
Je mehr Gespräche wir führten, desto deutlicher wurde: Es ging um weit mehr als nur Jobsharing. Es ging um die Zukunft der Arbeit.
Europäische Kooperation zur Förderung neuer Formen der Teilzeitarbeit e.V. (Job-Splitting, Job-Sharing, Split-level-Sharing, Job-Pairing)
Die Satzung – viele Stunden Diskussion für wenige Seiten Papier Eine der wichtigsten Aufgaben war die Ausarbeitung der Satzung. Heute liegen diese wenigen Seiten vielleicht unscheinbar in einem Ordner. Damals steckte hinter jedem Absatz eine intensive Diskussion. Wir überlegten, welche Aufgaben der Verein übernehmen sollte und welche Ziele langfristig verfolgt werden sollten. Uns war wichtig, dass der Verein nicht nur Informationen sammelt, sondern aktiv etwas bewegt. Die Förderung neuer Formen der Teilzeitarbeit sollte auf mehreren Ebenen erfolgen: wissenschaftlich, gesellschaftlich, arbeitsmarktpolitisch, organisatorisch – und vor allem europäisch. Schritt für Schritt entstand daraus die Satzung der späteren EURO-TZA e.V.
Ein Brief aus London
Während wir in Oldenburg an Formulierungen feilten, erreichten mich Zeichen, dass Europa bereits mitdachte. Jo hatte ich während meiner Zeit beim Europäischen Parlament kennengelernt – sie war auch staigiare und eine engagierte Frau aus London, die sich dort ebenfalls mit Fragen der Arbeitsmarktpolitik beschäftigte. Am 21. April 1987 schrieb sie mir einen Brief, den ich bis heute besitze. Er lautete – im Original:
„… Ich interessiere mich sehr über Jobsharing, aber jetzt heißt es Job-Splitting hier in England. Ich muß Konferenzen über diese Subjekt organisieren. Darf ich die Engländerin sein – hast du gerade jemandem für England gefunden? … Wenn nicht, darf ich helfen? Bitte schreib mir mit Strukturierungen – wenn ich dir helfen kann mit job-sharing…"(Jo aus London)
Ich musste lächeln, als ich diesen Brief las. Und ich lächle noch heute, wenn ich ihn in die Hand nehme. Nicht über Jos Deutsch – sondern über die Energie, die in diesen wenigen Zeilen steckt. Hier war jemand, der nicht warten wollte. Der mitmachen wollte. Der eine Rolle übernehmen wollte.
Solche Briefe bedeuteten mir sehr viel. Sie zeigten, dass die Idee eines europäischen Netzwerks nicht nur in meinem Kopf existierte. Aus Luxemburg waren Kontakte nach Irland, England, Frankreich, Griechenland, Dänemark, Italien, Spanien und in die Niederlande entstanden. Langsam wuchs etwas heran – lange bevor es soziale Medien oder digitale Plattformen gab
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